Göttergeschichte


Von den Unsterblichen

Es war die Zeit des urzeitlichen Chaos: Eine Zeit, als die Erde noch neu und ungeformt war. Trockene Wüsten und schwarze feuerspeiende Vulkane, umhüllt von gasförmigen Rauchschwaden, schufen das grimme Antlitz der neugeborenen Welt. Man nannte diese Zeit die große Leere.

Da kam in dieses Grauen, vom dunklen, verhüllten Himmel, ein Rinnsal aus Wasser. Zuerst nur ein Tropfen, dann ein zweiter und ein dritter, immer mehr, bis endlich ein mächtiger Wasserfall auf die Erde stürzte. Die Göttlichen Wasser des Himmels flossen hinab und nährten die vertrocknete Erde, sie kühlten die Vulkane, die zu grauen Gebirgen erstarrten und das Wunder des Lebens kam in die Welt.

Die dunklen und roten Himmel wurden licht und blau. Aus dem dunklen Erdboden erwuchs ein Baum, groß und stark. Danu, die Mutter der göttlichen Wasser des Himmels, nährte diesen Baum und dieser ward Bile, der Heilige Eichenbaum.

Aus ihrer beider Verbindung erwuchsen zwei riesige Eicheln. Die erste war männlich. Aus ihr erwuchs “Der Dagda”, der gute Gott. Die zweite Eichel war weiblich und von ihr entsprang Brigid, die Außerordentliche. Dagda und Brigid schauten einander mit Staunen an, denn es war ihre Aufgabe, das urzeitliche Chaos zu ordnen und die Erde mit den Kindern der Danu zu bevölkern, der Mutter aller Götter, deren Göttliche Wasser ihnen einst das Leben schenkten.

Also begaben sich Dagda und Brigid, geleitet durch die Göttlichen Wasser Danus, durch die grünen Auen der Erde gen Osten zu einer weit entfernten See und dort ließen sie sich nieder. Sie nannten den größten ostwärts fließenden Strom nach der Mutter aller Götter, Danuvius. Und sie erbauten vier große Städte an seine breiten Ufer; dort sollten die Kinder der Danu leben und sich mehren.

Diese vier Städte waren Falias, Gorias, Finias und Murias. Der Dagda wurde ihr Vater, deshalb nennt man ihn auch “Vater der Götter”. Brigid ward zur Weisen, Allwissenden, und so außerordentlich viel Wissen nahm sie auf von der mächtigen Danu und Bile, dem Heiligen Eichenbaum. Brigid ist die Mutter der Heilkunst, des Handwerks und der Dichtung; und tatsächlich ist sie in allem Wissen unübertroffen.

Sie lehrte ihre Kinder, dass alles wahre Wissen nur zu Danus Füßen erlernt werden kann; nur an ihren Ufern.

Diejenigen, die solches Wissen sammelten, erwiesen auch Bile Ehre und Respekt. Und da sie seinen heiligen Namen nicht aussprechen durften, nannten sie den Heiligen Eichenbaum “draoi” (Eiche). Jene nun, mit solchem Wissen sprach man Eichenwissen- “dru” (Eiche) und “vid” (Wissen)- zu , so hieß man sie fortan Druiden.

Das Wissen der Kinder Danus wuchs und ein jede der vier Städte erblühte. In Falias gab es einen heiligen Stein, “Lia Fail” genannt oder “Schicksalsstein”, der , wenn ein rechtmäßiger Herrscher seinen Fuß darauf setzte, vor Freude jauchzen würde. In Gorias, wo “Urias von Edlem Gemüt “verweilte, gab es ein mächtiges Schwert des Lichts, das den Namen “Rächer” trug, erschaffen vor der Zeit der Götter selbst. Dieses Schwert wurde dem Gott Lugh, mit der geschickten Hand, überreicht, dem größten Krieger unter den Göttern.

In Finias gab es einen mächtigen Speer, “der Rote Speer”, der, einmal geworfen, immer sein Ziel fand, egal, wo es sich auch verbergen möge. In Murias gab es den “Kessel der Fülle”, mit dem Der Dagda ganze Völker ernähren konnte; ohne, dass er jemals leer würde.

Über mehrere Aeonen erblühten die Kinder der Danu in ihren Städten. Eines Tages aber riefen Der Dagda und Brigid ihre Kinder zu sich. “Ihr habt hier nun lange genug gelernt. Ihr müsst die Erde bevölkern und ihr eure Weisheit schenken.

Lenkt sie, auf dass die Menschen dort lange und glücklich leben werden. Unsere Mutter, Danu, weist euch hiermit an, dort hinzugehen, wo die helle Sonne jeden Abend hinter dem Horizont versinkt.”, sprachen sie.

“Warum sollten wir dorthin gehen?”, fragte Nuada, Lieblingssohn Dagdas. “Weil es euer Schicksal ist”, antwortete Brigid, “Und du, Nuada, wirst deine Brüder und Schwestern und deren Kinder anführen. Das Land, zu dem ihr kommt, sollt ihr Inisfail heißen; Insel des Schicksals. Dort sollt ihr bleiben, bis sich eure Bestimmung erfüllt.”

“Wenn es unser Schicksal ist”, sagte Ogma, ein weiterer Sohn Dagdas, “dann soll es so sein.” Ogma war der Schönste der Kinder der Danu. Aus seinem langen, lockigen Haar schienen Sonnenstrahlen und man nannte ihn auch “Ogma grian-aineacg” ( Der mit dem Sonnigen Antlitz). Er hatte das Talent der schmeichelnden Worte, der Dichtung und der Sprachen; er war es, der die Menschen das Schreiben mit Schrift lehrte. Jene Schrift ist bekannt als Ogham- Schrift.

Brigid lächelte, ob ihrer eifrigen Kinder. “Mir ist es erlaubt”, hob sie an “, euch ein Wort der Warnung mitzugeben: Wenn ihr Inisfail erreicht werdet ihr ein anderes Volk vorfinden, das die Insel für sich beansprucht. Sie sind die Kinder Domnus, der Schwester unserer Mutter Danu. Seid gewarnt, denn Domnu ist nicht Danu. Denn jede Schwester ist das Gegenteil der anderen, wie Winter zu Sommer.”

“Sollten wir dann nicht etwas mit uns nehmen, um uns zu verteidigen, wenn die Kinder der Domnu uns bekämpfen?”, fragte Nuada.

Der Dagda blickte freundlich auf seine Kinder und erwiderte:” Ihr dürft die vier Schätze der vier Städte Falias, Gorias, Finias und Murias mitnehmen.”

Sodann nahmen die Kinder der Danu ihre Schätze und wandten sich den Bergen zu, die die Quelle der Danu beherbergten, den Göttlichen Wassern der Danu, und sie stiegen auf eine große dunkle Wolke, die sie nach Inisfail, der Insel des Schicksals brachte.

Nacht hüllte mit ihrem Mantel die Ebene der Türme ein, die im Westen von Inisfail lag. An jeder Seite der Ebene, durch den Fluss Unias getrennt, erhellten Myriaden von Lagerfeuern die Dunkelheit. Zwei Armeen hatten sich dort zum Kampf versammelt.

Sieben Jahre waren vergangen seit die Kinder der Danu auf der Wolke an den Stränden der Insel gelandet waren. Sie hatten anfangs mit einem fremden Volk von Menschen gekämpft. Der erste Kampf fand am Pass von Balgatan statt, dieser Konflikt dauerte vier Tage. In diesem Kampf tat sich ein Krieger der Firbolg hervor, Sreng genannt, der Nuada zu einem Zweikampf herausforderte. So stark ward Sreng, dass er mit nur einem Hieb seines Schwertes Nuadas rechte Hand abtrennte.

Dennoch wurden die Firbolg und ihr König Eochaidh besiegt und vertrieben.

Dian Cecht, der Gott der Heiler, kam zu Nuada nach dem Kampf und fertigte ihm eine künstliche Hand aus Silber, so stark und geschmeidig, dass sie kaum von der echten Hand zu unterscheiden war. Dadurch erhielt Nuada seinen vollen Namen, Nuada, mit der Silbernen Hand. Doch weil er nun verkrüppelt war, mussten die Kinder der Danu einen neuen Anführer wählen, denn die weise Brigid hatte ihnen gesagt, dass niemand mit einem körperlichen oder geistigen Fehl sie führen dürfe. Mit ihrer neuen Wahl machten die Kinder der Danu jedoch einen Fehler.

Als Wiedergutmachung zwischen ihnen und den Kindern der Domnu erwählten sie Bres, Sohn des Elatha und König der Kinder der Domnu. Diese waren auch bekannt als Formorii oder jene, die unter dem Meer leben. Und um die Verbindung weiter zu stärken, heiratete Dian Cecht Ethne (Eithne), die Tochter des stärksten Formorii Kriegers Balor mit dem Einen Auge.

Sie schlossen dieses Bündnis unter der Bedingung, dass jeder Fehler, der das Misstrauen der Kinder der Danu erweckte, zur Abdankung Bres und seinen friedlichen Abzug zur Folge haben sollte. Die Jahre unter Bres Herrschaft waren schreckliche Jahre, eben weil Bres ein Formorii war, hielt er nämlich sein Wort nicht und begann den Kindern der Danu schwere Bürden aufzuerlegen.

Für eine Weile beherrschten Bres und die Kinder der Domnu, die Kinder der Dunkelheit und des Bösen, das Land und die Kinder der Danu, Kinder des Lichts und des Guten. Sie waren hilflos und die Sklaven der Formorii.

Schließlich erschuf Miach, Sohn Dian Cechts, mit Hilfe seiner schönen Schwester Airmid eine neue Hand aus Fleisch und Blut für Nuada. Seine Hand ersetzte die seines Vaters und Nuada forderte nun, da er ohne Fehl war, die Herrschaft über die Kinder der Danu zurück. Dian Cecht aber war so eifersüchtig auf seinen Sohn Miach, dass er ihn erschlug. Das jedoch ist eine andere Geschichte.

Nuada jagte Bres zurück ins Land der Formorii. Dort forderte Bres nun von seinem Vater Elatha eine Armee, um die Kinder der Danu zu bestrafen. Auf der Ebene Magh Tuireadh, auf der sehr alte Megalithen standen, die ihre dunkle steinerne Spitze gen Himmel stießen, begegneten sich die Kinder der beiden Schwestern zum Kampf am Abend des Festes Samhain.

Bei Sonnenuntergang begann die Schlacht: Kämpfe brachen überall an der Schlachtlinie aus, als Nuada seine tapferen Krieger, Mann und Frau, gegen die Krieger des Bres und seiner Formorii ins Feld führte. Über das gesamte Schlachtfeld rauschte Morrigu, die Königin des Krieges, zusammen mit ihren Schwestern Macha der Krähe, Bodb der Kochenden und Morrigaine der Schicksalhaften hin und her.

Ihre klagenden Schreie trieben die Sterblichen in Verzweiflung und Tod. Als die Zeit verging, trat Indech, ein Formorii Krieger, auf Bres zu und erklärte, dass, wann immer die Kinder der Danu getötet oder ihre Waffen zerstört wurden, vom Feld getragen würden und nur kurze Zeit später lebendig und unversehrt wieder in der Schlacht erschienen.

Also rief Bres seinen Sohn Ruadan und befahl ihm, den Grund für den nicht versiegenden Vorrat an Waffen herauszufinden. Er rief auch Indechs Sohn herbei, einen Krieger namens Octriallach, der herausfinden sollte, wie die Kinder der Danu, obwohl getötet, wieder leben konnten.

In der Verkleidung eines Kindes der Danu, gelangte Ruadan hinter die feindlichen Linien und kam zu Goibhniu, 
Gott der Schmiede, der auf dieser Seite der Ebene eine Schmiede aufgestellt hatte. Jede ankommende zerstörte Waffe erhielt zuerst drei Schläge mit Goibhnius mächtigem Hammer und erhielt seinen Kopf. Dann gab er dem Holz des Schaftes drei weitere Schläge mit seiner Axt. Zuletzt fügte Goibhniu beide Teile so geschickt mit bronzenen Nägeln zusammen, dass die Waffe nicht einmal gehämmert werden musste. Ruadan eilte geschwind zu seinemVater zurück und als er berichtet hatte, befahl dieser ihm, Goibhniu zu töten.

In der Zwischenzeit hatte Octriallach die geheimnisvolle Quelle auf der anderen Seite der Ebene der Türme entdeckt an der Dian Cecht mit seiner Tochter Airmid stand. Wann immer eines der Kinder Danus getötet worden war, ward es zur Quelle gebracht, beide tauchten den leblosen Körper ins Wasser und er erwachte wieder zu Leben. Wütend befahl Bres Octriallach, die Quelle zu zerstören.

Ruadan begab sich zur Schmiede zurück in seiner Verkleidung und bat Goibhniu um einen Speer, welchen dieser ihm ohne Misstrauen gab, da er glaubte, Ruadan sei ein Kind der Danu. Kaum war die Waffe in dessen Hand, warf er sie auch schon nach dem Schmied. Der Speer ging glatt durch Goibhnius Körper. Tödlich verwundet wie er war, nahm er den Speer auf und warf ihn auf Ruadan zurück. Schwer verwundet schleppte sich Bres Sohn zurück zu seinem Vater und starb zu seinen Füßen.

Goibhniu aber schleppte sich zur Quelle, ward untergetaucht und erhob sich geheilt. In dieser Nacht kamen Octriallach und mehrere seiner Krieger zur Quelle. Ein jeder nahm einen großen Stein aus dem Flussbett des nahe fließenden Flusses und warf ihn hinein in die Quelle, bis diese versiegt war. Bres, zufrieden, dass die Kinder der Danu nun verwundbar waren und wütend über den Verlust seines Sohnes, war entschloßen, die Schlacht zum Ende zu bringen.

Am nächsten Morgen trafen Speere, Lanzen und Schwerter auf Buckler und Schilde. Das Sausen der Wurfpfeile, das Sirren der Pfeile und Kampfgeschrei der Krieger hörten sich an, als ob ein riesiges Gewitter über die Ebene donnern würde. Der Fluss Unius hörte auf zu fließen, so sehr häuften sie die Leichen in ihm. Die Ebene war rot vor Blut, so grausam war die Schlacht.

Indech von den Formorii fiel durch Ogmas Hand. Noch war Indech der Letzte, der das Eisen der Danu zu spüren bekam; doch die Kinder der Danu kamen ebenfalls nicht unversehrt davon. Auf das Schlachtfeld kam Balor mit dem bösen Auge, Sohn des Buarainech, dem besten der Formorii Krieger. Er hatte ein einziges großes Auge, dessen Blick war so bösartig, dass es jeden zerstörte, den es erblickte. So groß und riesig war das Auge, dass neun Diener mit Haken das Augenlid heben mussten, um es für Balor zu öffnen.

 An diesem schicksalhaften Tag nun ereignete es sich, das Balor mit Nuada mit der Silbernen Hand, dem Anführer der Kinder Danus, kämpfte; hart und grimmig war der Kampf. Als schließlich Schild zerbrochen, Speer verbogen und Schwert zerbrochen waren, ward es Nuadas Blut, das in einem nicht enden wollendem Strahl zur Erde der Insel floß.
 
Durch den Tod Nuadas wurden die Kinder der Danu unsicher und fingen an, sich zu fürchten. Da trat Lugh, mit der geschickten Hand, auf das Schlachtfeld. Lugh war es jedoch durch den Rat der Kinder der Danu verboten worden, zur Schlacht zu erscheinen, denn Lugh war ihnen zu wertvoll für den Kampf, weil er die Weisheit war, die der Menschheit dienen sollte. Tatsächlich war Lugh so weise, dass Nuada ihn schon für dreizehn Tage zum Anführer ernannt hatte, damit die Kinder der Danu von ihm Weisheit erlangen könnten.

 Aus diesem Grund hatten sie ihn für seine eigene Sicherheit eingesperrt mit neun Wachen zur Bewachung. Doch als Lugh vom Tod Nuadas erfuhr, brach er aus, stieg auf seinen Wagen und eilte zur Verstärkung seiner Brüder und Schwestern auf die Ebene der Türme.

Bres stand triumphierend mit seinen Formorii Kriegern, als er ein großes Licht im Westen bemerkte. “Wie kann die Sonne heute im Westen aufgehen?”, fragte er sich am Kopf kratzend. Einer der Priester der Formorii trat zu Bres, zitternd:” Das ist nicht die Sonne, mächtiger Bres. Das Licht geht von der Erscheinung Lugh‘s aus. Es ist sein Strahlen!”

Lugh senkte seinen Wagen, mit gezogenem Schwert durch die Reihen seiner Geschwister und fuhr direkt zu den Formorii. “Wo ist Balor?!”, verlangte er. “Lasst ihn, der sich für einen großen Krieger hält, vortreten, auf dass ich ihn die Wahrheit lehre!”

Die Reihen der Formorii teilten sich und die gewaltige Gestalt Balors trat in Erscheinung, auf einem gigantischen Stuhl sitzend. Sein einziges, riesiges Auge war geschlossen. Lugh wiederholte seine Herausforderung erneut.

Diesmal hörte sie Balor und befahl seinen Dienern:” Hebt mein Augenlid, auf dass ich einen Blick auf diesen geschwätzigen kleinen Mann werfen kann.” Sofort begannen die Diener Balors Auge mit einem Haken anzuheben. Sie standen mit gebührendem Abstand vom Auge. Denn jeder, der vom Blick getroffen wurde, starb sogleich. Lugh hatte sich aber mit einer Schleuder vorbereitet.

In dieser war ein tathlum, ein Geschoss aus Blut und dem Sand der Armorianischen schnellen See. Als das Lid angehoben wurde, schleuderte Lugh Balor das Geschoss ins Auge. Es traf, schlug durch das Gehirn und trat am Hinterkopf wieder aus. Das gewaltige Formoriiauge fiel auf den Boden. Mit einem letzten Blick, vernichtete es drei mal neun Kampfverbände der Formorii, weil es sie erblickt hatte.

Balor fiel schreiend und blutend zu Boden. Große Furcht erfüllte die Formorii nun. Lugh erhob sein Schwert und Morrigu hob zu einem Triumphgesang an: “Könige, erhebt euch zur Schlacht....!” So fassten sich die Kinder der Danu ein Herz und während sie alle das Lied sangen, stürmten sie vorwärts. Groß war das Gemetzel, als sie die Kinder der Domnu zurückkämpften. Man sagt, dass mehr Formorii auf der Ebene der Türme fielen, als es Sterne am Himmel, Sandkörner am Strand oder Schneeflocken im Winter gibt.

Und Lugh ging Bres hinterher, der vom Schlachtfeld fliehen wollte. “Verschone mich Lugh, oh großer Eroberer!”, schrie der Sohn des Elatha, auf seine Knie sinkend, denn er hatte weder Kraft noch Kampfgeist übrig. “Verschone mich und ich will dir geben, was auch immer du verlangst!”

“Was könntest du mir geben?”, forderte Lugh mit dem Schwert an Bres Kehle. “Ich will dir garantieren, dass ihr niemals zu wenig Milch von den Kühen dieses Landes bekommt”, bot Bres an. Daraufhin befahl Lugh die Kinder der Danu zu sich. “Was soll gut daran sein, wenn Bres das Leben der Kühe selbst nicht verlängern kann?”, fragten sie. Bres konnte diesen Wunsch nicht erfüllen, so bot er an: “Wenn ihr mein Leben verschont, soll jede Ernte in Inisfail eine gute sein.” “Wir haben schon genug gute Ernten. Wir brauchen keine andere Garantie.”

Schließlich willigte Bres ein, den Kindern der Danu zu zeigen, wann die besten Zeiten zum Pflügen, Säen und Ernten waren, denn dieses Wissen besaßen sie nicht. Und deshalb verschonten sie ihn.

Und als die Schlacht zu Ende war, als die Formorii zurückgetrieben waren in ihre Festung unter Wasser und sie erklärt hatten, dass es das Recht der Kinder der Danu war, auf der Insel in Frieden zu leben und als Göttinnen und Götter darüber zu herrschen, begab sich Morrigu zu allen Berggipfeln der höchsten Gebirge und auf jeder Spitze verkündete sie den Sieg der Götter des Lichts und des Guten. Sie sang im Triumph ein Loblied auf die Allmutter Danu:

Frieden erhebt sich zum Himmel
Die Göttlichen Wasser fallen zur Erde
Und befruchten unsere Leben
Die Erde liegt unter dem Himmel
Wir sind nun von der Erde
Und jeder einzelne ist stark

Und während Danu über den Sieg ihrer Kinder lächelte, fauchte und tobte ihre Schwester Domnu aus den Tiefen der Erde. Sie erwählte die Göttin Morigaine, der schicksalhaften als ihren Mund, um eine Prophezeihung an Danu und ihre Kinder zu richten:

Alles Leben ist im Fluss. Auch eure Kinder sind nicht unsterblich, meine Schwester. Die Zeit wird kommen, da sie besiegt werden. Die Zeit wird kommen, da niemand mehr zu den Göttinnen und Göttern beten wird und sie erhalten will; da sie in die Dunkelheit getrieben werden sollen, wie es heute meinen Kindern widerfahren ist. Die Zeit wird gekommen sein, wenn die Sommer von Inisfail blumenlos, die Kühe ohne Milch und die Männer schwach sind; die Frauen schamlos, die See ohne Fisch, die Bäume ohne Früchte sind und alte Männer falsche Urteile fällen werden. Die Richter werden ungerechte Gesetze erlassen und Ehre wird wenig wert sein, wenn Krieger und Krieger sich gegenseitig betrügen und zu Diebstahl übergehen. Es wird eine Zeit geben, da wird es keine Tugend mehr geben in dieser Welt.”